Zur Geschichte Oberfrankens



Das Gebiet des heutigen Oberfrankens war vor 1806, wie auch das Gebiet der Oberpfalz und das gesamte Gebiet des heutigen Bayerns, von vielen unterschiedlichen Besitztümern des geistlichen und weltlichen Adels geprägt. Über Jahrhunderte waren die Besitzverhältnisse ständigen Änderungen unterworfen. Die umfangreichsten Besitztümer waren über lange Zeiträume dem Hochstift Bamberg, den Klöstern Michelsberg, Banz und Langheim sowie der Burggrafschaft Nürnberg und der Markgrafschaft Brandenburg-Bayreuth zugeordnet. Während der Völkerwanderung waren Thüringer von Norden in das Gebiet des heutigen Oberfrankens eingedrungen. Ende des 5. Jahrhunderts geriet zunächst das westliche Maingebiet unter fränkischen Einfluss. Im Jahr 531 wurden die Thüringer zurückgedrängt und das gesamte Maintal geriet unter fränkische Herrschaft.

Die Gründung des Bistums Bamberg, aus Teilen der Bistümer Würzburg und Eichstätt, wurde auf der Reichssynode 1007 in Frankfurt durch König Heinrich II. durchgesetzt. Als Oberhirte des neuen Grenzlandbistums wurde Eberhard, der Kanzler des Königs, geweiht. König Heinrich II. erlangte 1014 die Kaiserwürde. Bamberg war seine Lieblingsstiftung. Das Bistum erhielt reiche Schenkungen und wurde dadurch auf eine solide Basis gestellt. Es war Rom unmittelbar unterstellt und erlangte eine besondere Bedeutung bei der Christianisierung der zwischen Main und Regnitz wohnenden Slaven. Der zweite Bamberger Bischof, Suidger, war der bedeutendste, denn er wurde 1046 als Clemens II. zum Pabst gewählt. Er wurde nach seinem Tode im Bamberger Dom beigesetzt.

Die Bamberger Fürstbischöfe, waren gleichzeitig Landesherren über das Hochstift, den weltlichen Teil des Bistums, mit über 200.000 Einwohnern. Sie waren oberster Dienstherr der Beamten und verwalteten ihren Besitz mit Hilfe von 54 Ämtern. Sie besaßen alle Rechte weltlicher Fürsten, d.h. die niedere und mittlere Gerichtsbarkeit, d.h. sie waren oberste Richter im Bistum. Sie übten die Polizeigewalt aus, besaßen die Rechte der Steuererhebung, des Zolls, der Münze, des Wildbanns und des Geleits. Sie waren Inhaber der Klostervogteien und der Bergwerke. Das Domkapitel war Mitregent. Der Einfluss dieses Gremiums war stark von den handelnden Personen abhängig.

Bischof Otto I., der Heilige, begann mit der Gründung des Aegidienspitals und des Gertrudenspitals die karitative Tätigkeit der mittelalterlichen Kirche in Bamberg. Neben Gottesdiensten, Seelsorge und Glaubensverbreitung waren Bildung und Kultur, wirtschaftliche Entwicklung, soziale Aktivitäten und Friedensförderung Aufgaben und Ziele des Bistums im Mittelalter.

1552/53 okkupierte Markgraf Albrecht Alcibiades von Brandenburg-Kulmbach einen erheblichen Teil des Hochstifts Bamberg, darunter Niesten, Burgkunstadt und später auch Lichtenfels und setzte hier evangelische Geistliche ein. Die Reformation hat im fränkischen Land tiefe Spuren hinterlassen. So fielen im Laufe des 16. Jahrhunderts 105 von 190 Pfarrkirchen mit den meisten Filialkirchen dem Protestantismus zu. 1648 standen für 110 Pfarreien nur noch 64 Priester zur Verfügung. Während des 30-jährigen Krieges wurde die Gegenreformation mit Hilfe der Jesuiten und militärischer Gewalt durchgesetzt. Dabei kam es zwischen 1623 und 1633 zu einer großen Hexenverfolgung.

Fürstbischof Franz Ludwig von Erthal (1779-1795) ist hervorzuheben, denn er führte bewusst den barocken Lebensstil seiner Vorgänger nicht fort. Er wollte Fürst für das Volk sein und sorgte für die Kranken und Armen durch Gesetze und Einrichtungen, die dem modernen Sozial - und Versicherungswesen den Weg bereiteten. Eine ständige Kommission nahm sich systematisch der Notleidenden in Bamberg und weiteren Städten im Bistum an. 1789 errichtete er das Allgemeine Krankenhaus in Bamberg und förderte die Einführung einer Krankenkasse.

Das Fürstentum Bayreuth entstand 1486, als nach dem Tod des Burggrafen Albrecht Achilles die Burggrafschaft Nürnberg 1473 unter dessen beiden jüngeren Söhnen aufgeteilt wurde (die Burg wurde schon 1427 an die Reichsstadt Nürnberg verkauft). Die Zuweisung der beiden Landesteile wurde durch Losentscheid entschieden. Dabei fiel Siegmund von Brandenburg-Kulmbach mit dem "obergebirgischen" Landesteil das damit neu geschaffene Fürstentum Kulmbach (später Bayreuth) zu. Sein Bruder Friedrich der V. von Brandenburg-Ansbach erhielt mit dem "untergebirgischen" Land das Fürstentum Ansbach.

Obwohl das Fürstentum Kulmbach/Bayreuth mehrfach in Personalunion mit dem Fürstentum Ansbach regiert wurde, blieb es bis zum Ende des alten Reiches ein staatsrechtlich eigenständiges Territorium. Mit dem Fürstentum Ansbach wurde es 1791 an den preußischen Teil angegliedert und mit diesem zusammen als Ansbach-Bayreuth zunächst von Preußen gemeinsam verwaltet. Nach der Niederlage Preußens im vierten Koalitionskrieg musste das Fürstentum Bayreuth an das französische Kaiserreich abgetreten werden. Zunächst unter französischer Militärverwaltung stehend, fiel es schließlich 1810 an das Königreich Bayern.

Nach der militärischen Besetzung Bambergs durch das Königreich Bayern entstand 1802 zunächst die bayrische Provinz Bamberg, die 1808 in Mainkreis umbenannt wurde. Die von 1806-1810 entstandene französische Provinz (s.o.) wurde von Bayern den Franzosen abgekauft und 1810 an das Königreich Bayern übergeben. Es entstand der Obermainkreis mit Bayreuth als Hauptstadt. Unter dem Namen Oberfranken wurden die beiden Kreise 1838 zusammengefasst. Eine Abrundung geschah 1920 durch die Eingliederung des Freistaates Coburg. In der Gebietsreform von 1972 erfolgten noch kleine Veränderungen.