Überblick zu den Vorfahren meiner Mutter (Linien Stöhr/Brehm)


Meine Vorfahren der Linien Stöhr/Brehm waren Bauern. Im 18. Jahrhundert sind jedoch auch Handwerker und Taglöhner zu finden, die durch Einheirat in bäuerlichen Besitz kamen. Vor der Aufhebung der Leibeigenschaft in Bayern im Jahr 1808 waren die Bauern Pächter ihrer Höfe. Ihr Grundherr war, bis zur Säkularisierung in Bayern im Jahr 1803, das Hochstift Bamberg. Danach traten an die Stelle des Hochstifts die Rentämter (=Finanzämter) des Königreichs Bayern. Auf Grund der Größe ihres Besitzes waren meine Vorfahren Kleinbauern, die ein Lehen bzw. ein halbes Lehen besaßen. Im 19. Jahrhundert hatten die Bauern die Möglichkeit, den Boden vom Königreich Bayern erwerben. Dies konnte jedoch zur Überschuldung führen. Auf Grund der geringen Wirtschaftlichkeit der Betriebe waren die Hypothekenlasten häufig beträchtlich.

Meine Urgroßeltern der Linie Stöhr blieben von dieser Entwicklung nicht verschont. So verwundert es nicht, dass weder mein Großvater, Georg Stöhr, noch seine Geschwister den elterlichen Hof übernehmen wollten. Mein Großvater erlernte ein Handwerk und trat danach in die bayrische Armee ein. Meine Urgroßeltern hatten zwischen 1883 und 1900 insgesamt 14 Kinder, von denen 8 nicht älter als 4 Monate wurden. Kurz vor dem I. Weltkrieg kam es dann zum Verkauf des letzten bäuerlichen Besitzes.

Die Bauerntradition der Linie Brehm in Königsfeld ist noch ungebrochen. Es zeichnet sich jedoch schon das Ende ab: Der Bauer Philipp Thein, ein Urenkel von Johann Brehm, und seine Frau Barbara Thein sind über 60 Jahre alt. Keiner der drei Söhne will den Bauernhof übernehmen. Die Alten werden daher in den kommenden Jahren die Felder verpachten und die Tierhaltung einstellen.

Mein Großvater, Georg Stöhr, war Kriegsteilnehmer an beiden Weltkriegen. Während er 1916 im Stellungskrieg an der Westfront in Frankreich eingesetzt war, ist zu Hause in Erlangen seine zweijährige Tochter Georga an Hirnhautentzündung gestorben und sein 20-jähriger Bruder Franz in der größten Schlacht des I. Weltkrieges, an der Somme/Frankreich, gefallen. Im II. Weltkrieg musste meine Großmutter um ihren Mann und ihren Sohn Theo bangen, denn beide hatten sich freiwillig zur Wehrmacht gemeldet. Nach Kriegsgefangenschaft sind sie noch 1945 unversehrt nach Hause zurückgekehrt.