Die Rechtsverhältnisse zwischen Grundherrn und Bauern in der Oberpfalz

Vom Spätmittelalter bis zur Gründung des Königreichs Bayern 1806


Die Mehrzahl der Bauern waren über einen Pachtvertrag mit einem Grundherrn verbunden. Beide Parteien hatten Rechte und Pflichten, die jedoch sehr unterschiedlich ausgeprägt sein konnten. Wenn der Bauer einen solchen Vertrag schloss, war dies mit seiner "Vermannung" verbunden, d.h. er schwor, dem Grundherrn treu zu dienen. In der Regel waren seine Familienangehörigen und das Gesinde mit eingeschlossen. Als "Erbleihe" war eine Vererbung, aber auch ein Verkauf mit Zustimmung des Grundherrn möglich. In diesen Fällen war ein "Handlohn", d.h. bis zu 10 % des Verkaufspreises, an den Grundherrn zu zahlen. Der Grundherr nahm den Bauern in seinen Schutz auf, d.h. er nahm ihn vor Feinden in Schutz, er half ihm in Gerichtsfällen und in Notlagen. In Dürrejahren konnten Zinsen und Abgaben gestundet, vermindert oder erlassen werden.

Ganze Höfe hatten meistens an die 90-120 Tagwerk Landbesitz (1 Tgw.= 3408 qm). Zum einen war es nach dem 30-jährigen Krieg zu beobachten, daß die Familien mehrerer Geschwister einen Bauernhof mit ihren Nachkommen bewirtschafteten. Zum anderen wurden mit Zustimmung des Grundherrn Teilungen vorgenommen, so daß i.d.F. nicht selten halbe Höfe (Huben), viertel Höfe (Lehen) und achtel Höfe (Selden) entstanden.

Die Erbpachtzinsen wurden traditionell an Walburgi (1. Mai) und Michaeli (29. September) bezahlt. Daneben waren Abgaben in Naturalien zu erbringen, also z.B. Weihnachtssemmeln, Fastnachtshennen, Herbsthahn, Käse und Eier. Anstelle der Naturalien konnten auch Geldabgaben vereinbart sein. Große Getreidebauern hatten die "Gült". Die Gült (Gilt) war eine Schuldverschreibung auf Grund und Boden. Dies bedingte eine Getreideabgabe, die am Michaelitag zu leisten war (daher kommt die Bezeichnung "Gültbauer", "Gülthof"). Bauernhöfe, die entweder einer frommen Schenkung entstammten oder sehr weit vom Wohnort des Grundherrn entfernt lagen, kamen "in die Pitanz", d.h. sie hatten nur Abgaben in Form von Geld zu erbringen (sog. "Pitanzhöfe"). Offensichtlich war der "Pitanzmeister" im Kloster der Empfänger dieses Geldes. Er hat damit die Nahrung der Klosterinsassen aufgebessert.

Der Bauer war gewöhnlich einer "gemessenen Fron" und einer "ungemessenen Fron" verpflichtet. Die gemessene Fron war im Erbpachtvertrag festgelegt und wurde nur durch karge Verpflegung vergütet. Die ungemessene Fron war dem Bedarf des Grundherrn angepaßt, d.h. sie beinhaltete auch eine Form der Willkür und war daher häufig Grund für Auseinandersetzungen. Sie wurde gering mit Geld bezahlt. Unter Fronarbeiten waren alle bäuerlichen Tätigkeiten zu verstehen, die der Gutsherr auf dem von ihm selbst betriebenen Gutshof benötigte, ohne eigene Arbeitskräfte einzusetzen. Neben der "Handfron" gab es die "Spann- oder Ackerfron". Bei großen Grundherren ist teilweise die "ungemessene Fron" entfallen. In kleinen Hofmarken, wo der adelige Grundherr in räumlicher Nähe seiner Bauern lebte, wurde diese Fron häufig zur unerträglichen Last für die meist kleinen Seldengütler.

Männer ab dem 18. Lebensjahr wurden für den Wehrdienst mit den verfügbaren Waffen (z.B. Spieße, Hellebarden, Helme, Brustpanzer) erfasst. Soweit die Bauern geistlichen Grundherren zugehörten, stand der Wehrdienst dem Landesherrn zur Verfügung. Die Bauern, ihre Angehörigen, Knechte und Mägde waren unfreie Untertanen der Grundherrn. Das Recht der Freizügigkeit konnten sie erst erhalten, wenn sie aus der Abhängigkeit entlassen wurden. Sie verloren damit jedoch den Schutz, den ihnen der Grundherr gewährte.

In der Regel musste daneben der Zehent (1/10 der Ernte) an eine Pfarrei, d.h. für die Pfarrökonomie ("Pfarrwiddum"), geleistet werden. Der Zehent war eine uralte Abgabe an die Kirche, die der heutigen Kirchensteuer entspricht. Es gab den Getreidezehent, den Grünzehent (Gras und Heu) und den Blutzehent (Haustiere, ersatzweise Geld). Die Zehentabgaben lebten auch nach der Säkularisierung 1803 fort. In den Steuerurkatastern von 1841 sind sie in der Regel noch aufgeführt.

Die kirchlichen Grundherrschaften endeten 1803 und gingen in Grundherrschaften des bayrischen Landesherrn über. Die weltlichen Hofmark-Grundherrschaften bestanden noch bis 1848. Im Jahr 1872 wurden die Grundlasten in Bodenzinsen umgewandelt. 1900 wurden Grundbücher für alle Grundeigentumsübertragungen eingeführt.

Die Leibeigenschaft wurde in Bayern, als erstem Gebiet in Deutschland nach Preußen, erst 1808 beendet und die Bauern konnten den Boden vom Königreich Bayern erwerben. Auf Grund der hohen Preise verzögerte sich der Besitzwechsel häufig bis zum Ende des 19. Jahrhunderts. In nicht wenigen Fällen führten, nach Besitzwechsel, die dann möglichen Grundstückskäufe- und verkäufe durch die in diesen Fragen unerfahrenen Bauern zu Überschuldung und Zwangsversteigerungen.