Die Rechtsverhältnisse zwischen den Grundherren und den Bauern in Unterstürmig, Neuses und Eggolsheim


Die militärische Besetzung von Bamberg durch bayerische Truppen im Jahr 1802 leitete die Säkularisation der Besitztümer des Hochstifts Bamberg ein. Davon waren auch Besitzungen in Unterstürmig, Neuses und Eggolsheim betroffen. Es wurden königliche Rentämter eingesetzt, die in der Folge die Aufgaben der Grundherrschaft des Hochstifts übernahmen. Weltliche Grundherren behielten bis 1848 ihre Rechte. Danach wurden diese Rechte auch von den königlichen Rentämtern wahrgenommen.

Mit dem Häuser- und Rustikalsteuerkataster von 1808-1812 hat das Königreich Bayern die erste Bestandsaufnahme der Besitzverhältnisse erstellt. Es sind alle Hofanlagen, alle Gründe ohne Flächenzahl, alle Pflichten und Rechte aufgeführt. Weiterhin ist festgehalten, von wem der Besitzer den Hof erworben hat. Erstmals ist eine Hausnummer zugeteilt worden.

Der Urkataster von 1841-1849 ist die Grundlage der ersten Land- und Besitzvermessung des Königreichs Bayern. Es sind die Grundherrschaften mit Rechten und Pflichten sowie die geforderten Zehentabgaben mit Angaben der Empfänger eingetragen (u. U. mit Datum, wenn sie bereits erloschen sind). Außerdem ist die Bonitätsklasse des Bodens geschätzt. Es ist unterschieden nach:

Literatur A: Stammgrund

Literatur B/C usw.: Grundstücke, die später zusätzlich erworben wurden.

Der damals gebräuchliche Hausname ist aufgeführt. Später wurden Um- und Fortschreibungskataster angelegt, die bis zur Einführung der Grundbücher gegen Ende des 19. Jahrhunderts Gültigkeit hatten.

Das Verhältnis zwischen Grundherren und Bauern (Grundholden, Hintersassen) war durch die Erbzinslehenbarkeit bestimmt. Die Verfügungsgewalt der Grundherrn war im 18. und 19. Jahrhundert in dieser Region nicht mehr stark ausgeprägt. Die Bauernhöfe wurden an Söhne oder Töchter weitervererbt. Sie konnten durch die Bauern verkauft werden oder es konnten Pächter eingesetzt werden. Die Leibeigenschaft wurde 1808 abgeschafft. Die Bauern konnten in der Folge den gepachteten Grund und die darauf befindlichen Gebäude kaufen. Als Grundherren traten auf:

- Das Königliche Rentamt Bamberg I,
- das Königliche Rentamt Forcheim und
- die Gutsherrschaft Buttenheim.

Die Urkataster von 1849 für Unterstürmig zeigen die teilweise sehr komplizierten Besitzverhältnisse sowie die daraus abgeleiteten Rechte und Pflichten auf. Daneben hatten die Bauern ergänzend zu ihren Besitzungen Äcker, Wiesen, Waldungen gekauft, die zu umliegenden Gemeinden wie Schirnaidl und Altendorf gehörten. Mit dem Kauf waren die auf den Grundstücken lastenden Abgaben übernommen worden, die den jeweiligen örtlichen Vereinbarungen entsprachen. Dies führte nicht nur zu unterschiedlichen Geldabgaben sondern erforderte auch die Berücksichtigung örtlich geregelter Zehentabgaben.

Folgende Abgaben waren - je nach Einzelfall der Besitzungen - zu leisten:

- Erb(pacht)zinsen, sie wurden an Walburgi (1. Mai) und Michaeli (29. September) bezahlt,
- Handlöhne (bei allen Besitzveränderungen musste dem Grundherren eine Abgabe entrichtet werden, dies konnte bis zu 10 Prozent der Verkaufssumme sein),
- Zehente.

Bei einigen erbzinsbaren Objekten waren die Handlöhne bereits abgelöst oder in Bodenzinsen umgewandelt worden. Die Handlohnquote und die Zinsen waren je nach Gutsherrschaft unterschiedlich. Bei der Bestandsaufnahme mussten die Bauern ihre Rechte durch entsprechende Urkunden nachweisen, das sind: Kauf-, Tausch-, Übergabe- und Teilungsbriefe (Briefprotokolle, als Vorläufer der Notariatsurkunden und Grundbuchauszüge).

In Unterstürmig waren die Zehent-Verhältnisse zwischen den Grundherren, der Pfarrei Eggolsheim und den Bauern durch folgende Aufteilungen geregelt:

- Der Großzehent (Weizen, Korn, Gerste, Hafer, Dinkel, Erbsen, Linsen, Hopfen, Wicken),
- der Kleinzehent, auch Schmalsaatzehent genannt (Erdäpfel, Kraut, Rüben, Flachs, Hanf, Klee, Futterkräuter),
- der Weinzehent,
- der Heu- und Grummetzehent.

Hinweis: Einen Blutzehent (Abgabe von Schlachttieren, ersatzweise Geld) hat es in Unterstürmig zum Zeitpunkt der Erstellung des Urkatasters nicht gegeben.

Die Zehentabgaben waren immer 10 Prozent der jeweiligen Ernte. In Unterstürmig war der Zehent zwischen der Pfarrei Eggolsheim, dem Königlichen Rentamt Bamberg, der Gemeinde Unterstürmig (diese hatte eine Genossenschaft gegründet), der Gemeinde Neuses und der Gemeinde Schinaidl in einem festen Verhältnis aufgeteilt und damit fixiert. In anderen Gebieten, z.B. im Fürstentum der Oberen Pfalz bzw. Kurpfalz, war der Zehent eine Abgabe, die ausschließlich den Pfarreien zustand. Sie entsprach damit der heutigen Kirchensteuer. Die Abgaben wurden in den Zehentscheunen gesammelt und gelagert. Soweit die Naturalien nicht zur Eigenversorgung genutzt wurden, wurden sie auf den Märkten verkauft. Zum Ende des 19. Jahrhunderts wurden die Zehentabgaben zunehmend in einen Zehentbodenzins umgewandelt.

Die Weiderechte standen den Schäfereibesitzern in Schienaidl und der Gutsherrschaft Buttenheim zu. Die Jagdrechte, sowohl die niedere wie die hohe Jagd gehörten der Gemeinde Unterstürmig. Dies ist eine Besonderheit, denn normalerweise haben die Grundherren die Jagdrechte nicht aus der Hand gegeben.

Den Bauernhöfen war ein Gemeinderecht an den noch unverteilten Grundstücken der Gemeinden zugeteilt. Es gab ein ganzes oder z.B. ein halbes Gemeinderecht, d.h. es konnte auch geteilt sein. Die Bauern durften nach Absprache Äcker, Wiesen und Waldungen für ihre Zwecke nutzen. Da die Besitzungen der Kleinbauern gering waren, hatte das Gemeinderecht eine wichtige Rolle gespielt.

In den ausgewählten Katastern sind keine Grundlasten für die gemessene oder für die ungemessene Fron (Handfron, Spann- und Ackerfron) enthalten. Auch sind keine traditionellen Naturalabgaben, wie Käse, Eier, Fastnachtshennen zu festen Terminen zu leisten, wie dies z.B. im Fürstentum der Oberen Pfalz üblich war.

Nach Entstehung des Königreichs Bayern wurden in den Landgerichten älterer Ordnung Hypothekenbücher geführt. Die Besitzveränderungen wurden bei persönlicher Anwesenheit der Betroffenen in Briefprotokollen niedergelegt und von den Landgerichten gesiegelt. Nach Aufhebung der gutsherrlichen Gerichtsbarkeit 1848 wurden deren Zuständigkeiten durch die königlichen Landgerichte/Amtsgerichte übernommen.

Mit der Einführung der Grundbücher um 1900 wurden die Besitzverhältnisse öffentlich einsehbar in den zuständigen Amtsgerichten geführt. In der Abteilung I wurden Besitzer, Besitztitel und Beschränkungen der Dispositionen, in der Abteilung II Dienstbarkeiten und in der Abteilung III Hypotheken und andere Schuldverschreibungen eingetragen.

Besitzer, Besitztitel:
Es sind auch Besitzer aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts eingetragen worden, wenn sie durch Briefprotokolle ihre Ansprüche nachweisen konnten. In der Regel lebten die Bauerseheleute in einer allgemeinen Gütergemeinschaft auf Grundlage des Bamberger Landrechts, später des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB). Beim Tod eines Ehepartners führten die Witwer/Witwen den Bauerhof in einer Gütergemeinschaft mit ihren Kindern fort.

Dienstbarkeiten:
Hervorzuheben ist das Leibgeding. Es umfasste eine Verpflichtung, Naturalleistungen wie Wohnung, Nahrungsmittel, Hege und Pflege gegenüber dem Altsitzer zu erbringen. Das Leibgeding erlosch beim Tod des Berechtigten. Bei der Hofübergabe stellten somit die Übergeber ihre Altersversorgung sicher. Mit einem Wohnungsrecht wurden gewöhnlich die unverheirateten Töchter abgesichert. Es erlosch bei der Verheiratung. Beide Dienstbarkeiten konnten über den gesamten Besitz oder über Teile davon abgesichert werden. Ersatzweise konnten jährliche finanzielle Leistungen vereinbart sein. Im Rang standen diese Dienstbarkeiten meist nach den Hypotheken.

Hypotheken:
Gläubiger waren nur zu einem Teil Banken. Häufig waren die Geldgeber auch Handwerksmeister, Geschäftsinhaber, Kirchenstiftungen oder Privatpersonen. Der Hypothekenzins war bei den von mir eingesehenen Grundbüchern moderat, meistens unter 5 Prozent. Die Tilgungen wurden in der Regel in größeren Beträgen durchgeführt.