Auswanderer nach Amerika

"Den ersten der Tod, den zweiten die Not, den dritten das Brot"


 

Bis Ende des 18. Jahrhunderts waren nur 9% der Einwanderer in den USA Deutsche. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts sind 500.000 Deutsche nach den USA ausgewandert. Von 1850 bis 1930 ist diese Zahl auf 5 Millionen gestiegen. Politische und religiöse Unfreiheit, Krieg und wirtschaftliche Not waren die Gründe. Neben den unteren Schichten der Bevölkerung, also Arbeiter, Kleinbauern, Handwerker, Knechte, Mägde und Taglöhner mit ihren Familien waren auch Angehörige des Bürgertums, die nach der gescheiterten Revolution von 1848 Deutschland verlassen wollten, unter den Reisenden. Auch junge Männer, die dem Wehrdienst entgehen wollten und sich bei Nacht und Nebel davon machten, waren dabei.

Die meisten gingen über die Häfen LeHavre/Frankreich, Rotterdam/Niederlande und später über Bremen/Bremerhaven und Hamburg. Bis 1850 waren die Hauptanlegehäfen in den USA Philadelphia, New York, Baltimore und Boston. Ab 1850 war New York/ Castle Garden der Hauptanlegeplatz. Er wurde von 1892-1952 durch Ellis Island, eine Insel südwestlich von Manhattan abgelöst.

 

 

Eine weitere Route führte nach New Orleans/Louisiana oder Galveston/Texas, im Süden der USA. Von New Orleans aus zogen die Einwanderer mit Flußschiffen auf dem Missisippi nach Norden bis Cincinatti/Ohio. Diese Route war infolge des amerikanischen Bürgerkrieges für längere Zeit nicht nutzbar. Vor 1870 wurden für die Reise von Europa nach Amerika vor allem Frachtsegler eingesetzt. Es handelte sich um Segelschiffe verschiedener Größen mit 2-5 Masten und unterschiedlicher Takelage (Vollschiffe, Barks, Briggs). Nur wenige gut zahlende Passagiere waren in Kabinen untergebracht. Für die meisten Auswanderer waren Zwischendecks eingezogen worden. Dort kampierten sie auf engstem Raum mit ihrem gesamten Gepäck. Die Reise dauerte, je nach Windverhältnissen, vier bis sechs Wochen. Krankheiten, Seuchen und der Tod konnten die Begleiter sein. Aber auch Kinder wurden geboren. Für viele Auswanderer waren die Lebensverhältnisse in den USA schwierig, mancher sehnte sich nach der Heimat zurück.

Eine solche Reise muß auch Josef Schreglmann unternommen haben. Er stammte aus Bayern und war 1835 geboren. Sein Abreisedatum ist unbekannt, wahrscheinlich um 1855. Er war vermutlich ledig, ist ohne Anhang gereist und nahm die Route nach New Orleans. Nach dem Umstieg auf einen Missisippi-Dampfer ist er nicht mit in den Norden gefahren, sondern in Millikens Bend/Louisiana an Land gegangen und hat dort eine Arbeit aufgenommen. Sein Name wurde in den USA Joseph Schregleman (in anderen Quellen Schregelman) geschrieben. Er hat dort Ellen Finley, eine Irin, geheiratet. Sie war mit ihrer Familie (Vater war Richard Finley, der im Madison County/LO lebte) eingewandert. Die Geschichte von Joseph ist insofern außergewöhnlich, da Einwanderer in der Regel unter sich blieben, vor allem wegen der Kultur und der Sprache.

Bildquelle:http://civilwaralbum.comMillikens Bend ist durch eine Schlacht während des Amerikanischen Bürgerkrieges bekannt geworden. Am 3. Juni 1863 errangen die Unionstruppen einen Sieg gegen die Konföderierten. Auf ihrer Seite waren zum zweiten Mal größere Einheiten mit farbigen Soldaten eingesetzt, die sich sehr tapfer schlugen. In der Unionsarmee haben im amerikanischen Bürgerkrieg insgesamt 180 000 farbige Soldaten gekämpft. Es gab auch größere Einheiten, die fast ausschließlich aus deutschen Einwanderern bestanden.

Millikens Bend war der Hafen von Vicksburg. Große Steamboats für Fracht und Passagiere legten hier an. Die auf den umliegenden Plantagen geerntete Baumwolle wurde von hier aus verschifft. Durch den Eisenbahnbau 1854, bei der die Streckenführung Millikens Bend nicht berücksichtigte, verlor der Ort und der Hafen an Bedeutung. Während des Bürgerkriegs flohen die Sklaven von den Plantagen. Die Baumwollernte kam zum Erliegen.

Nach dem Krieg erlebte Millikens Bend einen erneuten Aufschwung. In der Stadt gab es 1870 einen Fleischmarkt mit Lebensmittelhandel. Dieser gehörte der Familie Schregleman. Beim Census 1880 ist als Beruf von Ellen Schregleman, geb. Finley, "butcher (=Metzger)" angegeben. Joseph war 1880 gestorben. Sein Sohn Joseph Noland hat als "Landingkeeper" am Hafen gearbeitet. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hat Millekens Bend sein Bedeutung vollständig eingebüßt, da sich der Flußverlauf nach Westen verschob und zu einer Verlandung des Hafens führte, zum anderen immer weniger Fracht durch die Plantagen angeliefert wurde. 1915 wurde der letzte Kaufladen geschlossen, da viele Bewohner die Kleinstadt bereits verlassen hatten. Joseph Noland Schregelman hat seine Tätigkeit 1916 - nach mehr als 30 Jahren - eingestellt und Millikens Bend ebenfalls verlassen. Später ist die Familie nach Tallulah/Madison Parish, in der Nähe, umgezogen. Joseph und Ellen hatten 3 Kinder und 5 Enkel. Auf dem Tallulah Cemetery Silver Cross sind die Gräber/Grabsteine von Joseph Noland Schregleman Sr. +1951, Joseph N. Jr. +1983, Joseph N. III +1970 und Bernice Schregleman, geb. Givens, +1977 noch vorhanden. Andrew Schregleman, ein Enkel, lebte später mit seiner Frau Lilian in Willow Springs/Missouri. Andrew war ein Weltkrieg II Veteran. Er ist 1993 gestorben und auf dem Springfield National Cemetery neben seiner einzigen Tochter bestattet, die nur wenige Monate alt wurde.

1884 ist Josef Schroeglmann, seine Frau Anna, geb. Hefner, mit den Kindern Anna, Maria und Georg auf dem Schiff Neckar in die USA ausgewandert. Die Familie stammte aus Penzenreuth/Opf (dies sind die Vorfahren von Linda Sharp/Schreglman, die 2004 leider viel zu früh verstorben ist). Es handelte sich bereits um ein Dampfschiff mit Kabinen für die Familie und es gab eigene Frachträume für das Umzugsgut. Die Überfahrt dauerte in der Regel 10 bis 14 Tage. Sie haben sich in Buffalo am Erie-See niedergelassen und wohnten 555 Monroe-Street. In Buffalo wurde ein weiteres Kind, John Leo Schroegelman geboren, der sich später Schreglman schrieb. John Leo hatte 3 Kinder und 6 Enkel. Josef Schroeglmann, der 1884 einwanderte, ist am 9. Juni 1908 in Buffalo gestorben.

Am 20. Oktober 1872 ist Anna Schregelmann auf dem Schiff Bremen in die USA ausgewandert. Das Schiff fuhr von Bremen nach New York. Sie war 66 Jahre alt und ist alleine gereist. Vermutlich war sie Witwe und ist ihren Kindern nachgereist. Ihr Heimatort ist unbekannt.

Georg Schecklman und seine Frau Theresia und ihre beiden Kinder Georg und Norbert sind am 23. Mai 1873 von Bayern aus (Herkunft aus der Oberpfalz muß noch geklärt werden) nach USA ausgewandert. Sie ließen sich im Jefferson County in Wisconsin nieder. Dort bekamen sie weitere 4 Kinder. Ihr Sohn Georg arbeitete in Jefferson in einer Fleisch-Verpackungsfirma. Später ließ er sich als Farmer in Heintown/Town of York/Clark County/Wisconsin nieder. Er heiratete Anna Schmidt. Das Ehepaar hatte 6 Kinder. Die Gräber / Grabsteine von Georg Schecklman, sen. und Georg Schecklman, jun. und seiner Frau Anna sind auf dem Friedhof Saint Anthony Cemetery, Loyal, Clark, Wisconsin, noch erhalten

In den USA haben sich zwischen 1830 und 1900 viele Angehörige der Schreglmann-Sippe angesiedelt. Mehrere Familien sind in Buffalo, Erie County, ansässig geworden:
* Josef H. Schroeglman und seine Frau Anna. Der Grabstein/das Grab befindet sich auf dem United German and French Cemetery im Stadtteil Cheektowaga.
* Joseph Schregelman und seine Frau Rose. Der Grabstein/das Grab befindet sich auf dem Mount Calvary Cemetery im Stadtteil Cheektowaga.
Es war üblich, daß die Aussiedler in Briefverkehr mit den Verwandten in der Heimat standen und von ihren Erfahrungen berichteten. Dies hat dann weitere zur Ausreise ermuntert.

Die meisten deutschen Auswanderer haben sich im mittleren Westen der USA niedergelassen. Angehörige der Schreglmann-Sippe konnten in folgenden Orten/Staaten festgestellt werden: Buffalo/New York, Ohio, New York, Indiana, Missouri, Louisiana, Wisconsin, Texas.