Geschichtliche Entwicklung der nördlichen Oberpfalz


In vorchristlicher Zeit haben Kelten in der Region der heutigen Oberpfalz gelebt. Sie wurden von Germanen vertrieben, die von Norden her ins Land vordrangen. Nach der Völkerwanderung war das Gebiet fast menschenleer und durch die starke Bewaldung schlecht zugänglich. Slawische Siedler sind vermutlich ab dem 7. Jahrhundert in das Land eingesickert und haben erste Dörfer gegründet. Viele der heute gültigen Ortsnamen sind slawischen Ursprungs.

Unter Kaiser Karl dem Großen (768-814) wurden fränkische sowie bayrische Kolonisten in die große Waldregion geschickt, um das Land urbar zu machen. Soweit die slawischen Bewohner nicht vertrieben wurden, sind sie assimiliert. Die ersten Bauern waren ihre eigenen Herren, d.h. Freibauern.

Die Kaiser haben verdiente Kriegsleute, die sie auf ihren Feldzügen/Kreuzzügen begleitet hatten, mit Land belehnt und in den Adelsstand erhoben. So entstanden auch im Gebiet der heutigen Oberpfalz Grundherrschaften von Rittern, Herren und Grafen. Zudem erlaubten sie die Gründung von Klöstern, die ebenfalls mit Grundbesitz ausgestattet waren und weiteren Besitz erwarben bzw. erbten.

Die Bauern waren umherziehenden Söldnern oder Banden schutzlos ausgeliefert. Die meisten verkauften daher ihren Besitz an weltliche oder geistliche Grundherrschaften und begaben sich damit unter deren Schutz. Sie konnten als unfreie Bauern auf ihren Höfen verbleiben, sie mussten jedoch Pachtzinsen und weitere Abgaben bezahlen und waren zehentpflichtig.

Weltliche und geistliche Grundherrschaften weiteten im Laufe der Zeit ihren Besitz durch Kauf, Erbe oder Schenkung aus. 1163 bildquelle: www.oberpfalz.dewurde das Prämonstratenser-Kloster Speinshart gegründet und unter den Schutz des Kaisers Barbarossa gestellt. Bis 1538 (Abschluß des meisten Grunderwerbs) waren 238 Bauernhöfe, darunter 11 Mühlen, sowie ganze Dörfer, wie Bibrach, Münchsreuth, Tremmersdorf, Seitenthal, Kirchenthumbach u.a. im Besitz des Klosters. In 66 Dörfern, Weilern und Einöden saßen Klosteruntertanen. In späteren Zeiten sind Teile des Besitzes, vermutlich wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten, wieder veräußert worden. U.a. gab es auch bischöfliches Obereigentum/bambergische Lehensgüter in Metzenhof, Stegenthumbach, Leutzenhof, Unterfrankenhohe, Hermanshof und Burgrub.

Das verbliebene Reichsland wurde durch kaiserliche Dienstleute verwaltet. Diese Ministerialen waren ursprünglich unfreien Standes, im Herrendienst sind sie durch ihre Fähigkeiten in den Adelsstand aufgestiegen. In der Rangordnung standen sie über den Rittern. Daraus sind drei bodenständige Adelsgeschlechter hervorgegangen: die Bibracher, die Schlammersdörfer und die Frankenberger.

Gebhard von Leuchtenberg, der 1158 mit einem Grafentitel von einem kaiserlichen Feldzug zurückkam, heiratete die Erbtochter des reichen Grundbesitzers Graf Friedrich von Burglengenfeld, Hopfenohe und Pettendorf. Die Leuchtenberger wurden dadurch zu einem der bedeutensten Adelsgeschlechter in der Oberpfalz. Der größte Teil ihres Besitzes ging später in klösterliche Hand über.

Die zweite Erbtocher des Friedrich von Hopfenohe heiratete Graf Otto V. von Wittelsbach. Kaiser Barbarossa ernannte ihn zum Pfalzgrafen in Bayern. Er starb 1156. Sein Sohn Pfalzgraf Otto VI. wurde von Kaiser Barbarossa, nach Absetzung von Heinrich dem Löwen, 1180 zum Herzog von Bayern ernannt. Bayern beschränkte sich zu dieser Zeit im wesentlichen auf die Gebiete von Ober-und Niederbayern und Teilen der Oberpfalz. Es war durchsetzt von einer ganzen Anzahl von selbstständigen Grafschaften und geistlichen Grundherrschaften.

Die Grafen von Sulzbach erfüllten im Auftrag des Kaisers im Nordwesten der Oberpfalz hoheitliche Aufgaben. Als sie 1188 ausstarben, erbte das Kaiserhaus. Im 13. Jahrhundert wurde Eschenbach staufischer Amtsitz. Als 1268 das staufische Kaisergeschlecht ausstarb, trat das Haus Wittelsbach die Erbfolge an (auf dem Bild: Konradin, der letzte Staufer). In Eschenbach wurde das erste Amt Eschenbach-Frankenberg zur Verwaltung des bayrischen Besitzes eingerichtet. Die Herrschaft der Wittelsbacher in Bayern sollte bis zum Ende des I. Weltkrieges 1918 andauern.

Als 1329 der erste Wittelsbacher, Herzog Ludwig der Bayer, deutscher Kaiser wurde, teilte er sein Land (Hausvertrag von Pavia). Ludwig behielt Oberbayern, den Nachkommen seines Bruders überließ er die Pfalz und den bayrischen Nordgau (früher Name für die Oberpfalz). Die Kurwürde sollte alternieren, sie war jedoch von 1355-1623 im Besitz der Pfälzischen Linie. Amberg wurde die Hauptstadt des Nordgaus. Man unterschied ab jetzt zwischen der "Unteren Pfalz" mit der Hauptstadt Heidelberg und der "Oberen Pfalz" mit der Hauptstadt Amberg. 300 Jahre, bis 1628 gehörte nun die Oberpfalz zur kurpfälzischen Linie der Wittelsbacher.

1415 wurde der Hohenzoller Friedrich VI., Burggraf von Nürnberg und Markgraf von Ansbach, vom Kaiser mit der Mark Brandenburg belehnt. Er wurde später Kurfürst von Brandenburg. Sein Bruder, Johann III. war Markgraf von Kulmbach. Es entstand die Markgrafschaft Brandenburg-Bayreuth. Als Folge des Augsburger Religionsfriedens 1558 mussten die Einwohner zum evangelischen Glauben übertreten. Zwischen 1791 und 1806 entstand ein preußisches Fürstentum Bayreuth. Von 1806 bis 1810 unter Napoleon wurde das Fürstentum französische Provinz. In dieser Zeit waren z.B. die Ortsschilder in französischer Sprache.

Auch die Bewohner der Oberen Pfalz gehörten ab 1558 dem evangelischen Glauben an. Klöster wurden aufgelöst, Pfarreien entweder aufgelöst oder durch protestantische Pfarrer weitergeführt. Der Calvinismus, eine theologische Bewegung, die auf der Reformation fußt, den Anhängern Askese und strenge Kirchenzucht abverlangte, breitete sich aus. Im 30-jährigen Krieg befanden sich die beiden Wittelsbacher Linien in gegnerischen Lagern. 1621 wurde die Oberpfalz durch bayrische Truppen besetzt. 1623 ging die Kurwürde von der Pfalz auf Bayern über. 1628 war die kurpfälzische Herrschaft beendet und die Oberpfalz wurde an Bayern angegliedert. Die Bevölkerung wurde wieder katholisch. Amberg blieb die Hauptstadt. Im Rahmen der folgenden Restauration konnten die Klöster ihre Arbeit wieder aufnehmen. 1777 starb mit Maximilian III. Joseph die Linie der bayrischen Wittelsbacher aus. Gemäß den Regelungen der Wittelsbacher Hausunion (Vertrag von 1724, er regelte u.a. die Erbfolge zwischen den Wittelsbachern in Bayern, in der Pfalz und in Köln) fiel Bayern an die Linie Pfalz-Sulzbach (Kurfürst Karl Theodor, der mit seinem Hof nach München umzog) und später Pfalz-Zweibrücken (Kurfürst Maximilian IV. Joseph). Dieser wurde 1806 der erste bayrische König Max I. Josef.

1803 beginnend fielen alle reichsunmittelbaren Besitzungen (Stifte, Abteien, Reichsstädte) an Bayern. 1806 wurde unter Napoleon das Königreich Bayern gegründet. Das ursprüngliche Gebiet Bayerns erfuhr eine Erweiterung durch Schwaben, Teilen von Franken und Tirol. Bildquelle:wikipedia.de1814 wurden das Fürstentum Aschaffenburg und das Großfürstentum Würzburg (hervorgegangen aus dem Hochstift Würzburg) in das Königreich Bayern eingegliedert.

Durch den Minister Montgelas wurde eine Modernisierung und Umstrukturierung des staatlichen Verwaltungsapparates veranlasst. Die ländlichen Grundherrschaften wurden beseitigt und mit Edikt von 1818 politische Landgemeinden mit Ortsvorstehern geschaffen. Diese wurden zu Landgerichtsbezirken zusammengefasst, mehrere zu einem Kreis. Bis 1838 war die nördliche Oberpfalz wechselnd dem Mainkreis, dem Naabkreis und dem Obermainkreis mit Hauptstadt Bayreuth angehörig. 1838 wurden dann Regierungsbezirke geschaffen. Schon 1803 hatte Amberg seine Funktion als Hauptstadt der Region an Regensburg abgegeben. 1862 wurde durch die Trennung von Justiz und Verwaltung eine Gliederung der Regierungsbezirke eingenommen, die im Grundsatz bis heute gilt. 1815 wurde Bayern für den Verlust von Tirol mit der Rheinpfalz und Teilen von Franken entschädigt. Regensburg wurde die Hauptstadt des Regierungsbezirks Oberpfalz. Von 1799 bis 1815 wurden die Gemeinden in Bayern neu gebildet. Aus 40.000 Gemeinden entstanden 7.330. Heute existieren nur noch ca. 2.000.