Entstehung und Nutzung von Familiennamen

Familiennamen wurden ab 11. Jahrhundert erstmalig eingeführt. Bis dahin wurden einzelne Personen mit ihrem Vornamen und ihrem Wohnort benannt. Die bekannteste Person in diesem Zusammenhang ist wohl Wolfram von Eschenbach (stammt aus Eschenbach, später Wolframseschenbach bei Ansbach/Mfr.). Da es zu viele Leute mit gleichen Vornamen in gleichen Orten gab, führte dies zu ständigen Verwechslungen. Die neu entstandenen Familiennamen bezogen sich häufig auf Land/Ort/Herkunft/Beruf/Aussehen usw. Vorher waren bei Haus-und Grundbesitzern sogenannte Hausmarken in Gebrauch, die über den Eingangstüren angebracht waren und auch Unterschriftszwecken dienten. Hausmarken waren im gesamten germanischen Europa von Skandinavien über England und Deutschland bis nach Österreich und Südtirol im Mittelalter bis in die Frühneuzeit im Gebrauch. Die Hausmarken haben ihren Ursprung in den germanischen Runen. Sie vererbten sich stets in gerader Linie vom Vater auf den ältesten Sohn oder auch Schwiegersohn. Nachgeborene Söhne übernahmen häufig das Zeichen des Vaters, der Stammfamilie, das sie durch Hinzufügen von Strichen abwandelten, um so für sich und ihre Familie neue Hausmarken zu schaffen.

Innerhalb von Dörfern wurden die Bauern häufig mit dem Hausnamen benannt. Dies waren in der Regel die Namen der früheren Erbauer eines Hofes. Diese Hausnamen waren in den Dörfern über viele Jahrhunderte in Gebrauch, teilweise sind sie es heute noch. Die eigentlichen Familiennamen der Inhaber spielten nur bei Geburt/Taufe/ Eheschließung/Tod und in Beurkundungen von z.B. Heirat/Haus-/Grunderwerb eine Rolle. U.a. ist es so zu erklären, daß unterschiedliche Versionen des Familiennamens in einer Familie/Sippe zeitlich hintereinander aber auch nebeneinander auftraten. In Zinsbüchern des Klosters Speinshart/Opf. aus dem 17. Jahrhundert und in der Taufurkunde meines UrUrUrgroßvaters Georg Michael 1778 ist mein Familienname Schleglman geschrieben worden. Dies könnte die ursprüngliche Schreibweise des Namens sein, wie ihn der "Urvater" der Sippe getragen hat. Er könnte von dem Arbeitsgerät "Schlegel" abgeleitet sein.

Frühe Aufzeichnungen sind in Klöstern und Herrensitzen zur Verwaltung ihrer Besitztümer gemacht worden (Salbücher, Zinsbücher, Rechnungen). Erste Kirchenbücher wurden in der Folge der Reformation sowohl in protestantischen wie auch katholischen Pfarreien eingeführt. Sie beinhalteten Daten zu Taufen, Eheschließungen und Sterbefällen. Alte Kirchenbücher sind häufig durch die Wirrnisse des 30-jährigen Krieges zerstört worden oder verloren gegangen. Viele Kirchenmatrikel beginnen daher erst nach ca. 1648. Die Eintragungen wurden sowohl in lateinischer als auch deutscher Schrift und Sprache vorgenommen. Je nach Pfarrer wurden diese Eintragungen mehr oder weniger sorgfältig bezogen auf Schrift und/oder sachlichen Inhalt verfasst. So ist erklärlich, daß mein Familienname in den verschiedensten Schreibweisen auftaucht.

Auch sind offensichtlich nicht alle Geburten/Eheschließungen/ Sterbefälle eingetragen worden. Nach einer Tradition bekamen die Kinder den Vornamen des Taufpaten. Innerhalb einer Familie erhielten nicht selten mehrere Kinder einen gleichen und später einen zweiten Vornamen. Sehr häufig waren z.B. die Namen Johann, Georg, Michael, Margareta, Barbara, Magdalena und Anna. Auch war es üblich, die Namen verstorbener Kinder an später geborene erneut zu vergeben. Auf Grund der hohen Sterblichkeit der Frauen im Kindbett haben die zurückgebliebenen Witwer meistens wieder geheiratet. Teilweise sind dann zu den Kindern aus erster Ehe noch Kinder aus der folgenden Ehe hinzugekommen. Die Auswertung der Matrikel (Mikrofiches) ist daher eine zeitraubende und schwierige Tätigkeit, bei der Fehler in den Recherchen und Widersprüche in den Aussagen leider nicht völlig auszuschließen sind.

Sehr häufig haben sich gleiche Familiennamen in Deutschland an mehreren Orten unabhängig von einander gebildet. Dies ist besonders bei den Namen Müller, Schmidt, Schneider, aber auch bei vielen anderen der Fall. Für den Namen Schreglmann und seine Varianten kann dies jedoch ausgeschlossen werden. Der Bezug aller festgestellten Namensvarianten auf die Oberpfalz und auf eine Sippe ist bisherigen Erkenntnissen zufolge eindeutig. (Eine Besonderheit stellt die Schlöglmann-Sippe in Oberösterreich dar. Eine Zusammengehörigkeit mit der Schreglmann-Sippe ist ungeklärt.) Von den vielen erfassten Varianten zum Namen Schreglmann gehören nur 9 Varianten lebenden Personen. Mehr als 35 Namensvarianten sind also Schreibweisen, die nur in den Büchern auftauchen und offensichtlich im praktischen Leben keine Bedeutung hatten. Als weiterer Beweis sei angeführt: Es ist nicht vorstellbar, daß so viele Sippen/Familien mit ähnlichen Namen, die zwischen dem 17. und dem 19. Jahrhundert in der Oberpfalz existiert haben sollen, ausgestorben sind.

Die einzelnen Quellen aus der Zeit vor der Einführung von Standesämtern in Bayern 1876, die Familiennamen aufgezeichnet haben, also Pfarreien, Klöster, Ämter der Grundherrschaften , Notare und Rent(=Finanz)ämter hatten keinerlei Informationsaustausch, so daß jede Institution ihre eigene Schreibweise hatte. Wenn ein Untertan bei Pfarreien, Klöstern und Ämtern vorstellig wurde, hatte er zur Identifikation kein eigenes Personaldokument. Einsicht in die Eintragungen wurden wahrscheinlich nicht gewährt. Es ist nicht selten, daß innerhalb einer Familie mehrere Namensvarianten auftraten. Zudem waren, nach meinen Feststellungen, die Schreibweisen des Familiennamens von den jeweiligen Pfarrern oder den Schriftführern in den Klöstern bzw. den Ämtern der Grundherrschaften abhängig.

Beispiele:

1) 6 verschiedene Namensvarianten habe ich bei meinen eigenen Vorfahren gefunden: Schleglman, Schröglmann, Schöglmann, Schrecklmann, Schregelmann, Schreglmann.

2) Petrus Schettelmann heiratete 1687 in Eschenbach Rebecca Kohler. Das Ehepaar bekam sechs Kinder. In den jeweiligen Einträgen der Kirchenbücher, die dieses Ehepaar betreffen (Korrelation der Vornamen, Geburtsdaten, Geburtsname usw.), wurde der Familienname in verschiedenen Schreibweisen festgehalten. Danach hießen, streng nach den Einträgen, die Kinder des Paares (Familienname der Eltern entsprechend): Johann Petrus Scheglmann, Agnes Scheglmann, Johann Matthias Schettelman, Johann Michael Schreglman, Wolfgang Michael Schröglmann und Johann Georg Schröglmann.

3) Georg Schreglmann und seine Frau Anna Maria hatten in Höflas ab 1755 4 Kinder. Name der Kinder des Paares (Name der Eltern entsprechend): Maria Catharina Schreglmann, Georg Michael Schreklmann, Johann Schrecklmann, Anna Barbara Schecklmann.

Die Standesämter in der Oberpfalz haben teilweise ab 1876 eine einheitliche Schreibweise des Namens der Sippe im Rahmen ihrer Namengebungshoheit herbeigeführt.
Beispiel: In einer Geburtsurkunde von 1884 wurde die Geburt von "Georg Schreglmann" in Penzenreuth durch das Standesamt Schlammersdorf bestätigt. Der Vater, Joseph Schreglmann hatte jedoch noch mit "Schröglmann" unterschrieben.

Festtelefonanschlüsse zu den heute noch existierenden Namensvarianten sind insgesamt zahlenmäßig gering. Soweit die Namensträger nicht mehr in der Oberpfalz vertreten sind (z.B. Schröglmann, Schöglmann, Scheglmann), könnten die Vorfahren vor 1876 die Oberpfalz verlassen haben. Dies ist z.B. beim Namen Scheglmann nachgewiesen. Johann Georg Schröglmann/Scheglmann aus Eschenbach hat 1722 nach Geiselhöring bei Landshut geheiratet und den Namen Scheglmann mitgenommen.

Namensträger Schecklmann sind mit Schwerpunkt in der Oberpfalz, vor allem in Kirchenthumbach vertreten. In den Ortschaften Höflas, Haar und Penzenreuth ist die Verbindung der Namen Schecklmann und Schreglmann aus früheren Eintragungen in den Kirchenbüchern eindeutig zu erkennen. Schöcklmann ist lautmäßig eng mit Schecklmann verwandt, in Bibrach (heute: Oberbiberach) waren Anfang des 19. Jahrhunderts zur gleichen Zeit sowohl ein Namensträger Schöcklmann, wie auch Schecklmann Inhaber von Bauernhöfen.

Verwandtschaftliche Bindungen innerhalb der Sippe, die aus Kirchenbüchern und anderen Quellen erkennbar sind, habe ich grafisch dargestellt