Im Fokus - die Oberpfalz

   

   


Wenn man verstehen will, unter welchen Bedingungen meine Vorfahren und die Angehörigen der Schreglmann-Sippe in dem Gebiet der heutigen Oberpfalz gelebt haben, muss man die geschichtliche Entwicklung beleuchten. Das Gebiet war vor 1806, wie auch das gesamte Gebiet des heutigen Bayerns, von vielen unterschiedlichen Besitztümern des geistlichen und weltlichen Adels geprägt. Über Jahrhunderte waren die Besitzverhältnisse ständigen Änderungen unterworfen. Unter anderem waren kaiserliche, bayrische, böhmische, preußische und französische Herren im heutigen Gebiet der nördlichen Oberpfalz zu finden.

Als bayrische oder fränkische Kolonisten könnten meine Urahnen vor dem 11. Jahrhundert in das Gebiet gekommen sein. Vielleicht gehörten sie nach der Rodung von Waldgebieten zu den ersten Freibauern, die sich dort angesiedelt hatten. Die frühesten Zeugnisse, die ich bisher finden konnte, stammen aus Zinsbüchern des Pflegamts Eschenbach (ehem. Fürstentum der Oberen Pfalz). Dort ist zwischen 1631 und 1638 ein Hannß Schödelman/Schecklman aufgeführt, der in diesem Zeitraum Besitzer eines Bauernhofes in Penzenreuth war.

Die Mehrzahl der Bauern hatte im Spätmittelalter bereits ihr Eigentum an adelige oder geistliche Grundherren verkauft und sich damit unter deren Schutz begeben. Dies bedingte jedoch eine, je nach Lage, milde oder drückende Form der Leibeigenschaft, die in Bayern erst 1808 endete. Die Rechtsverhältnisse zwischen Grundherrn und Bauern waren detailliert geregelt und bestimmten über mehr als fünf Jahrhunderte das Leben in den Dörfern.

Kriege, Seuchen und Feuersbrünste hatten ihre Auswirkungen: Im Jahr 1429 brandschatzten Husiten-Horden aus Böhmen die Region. Der Bauernkrieg von 1525 fand mehr im Fränkischen statt. Die Oberpfalz blieb nicht verschont von den späten Jahren des 30-jährigen Krieges und von der Pest im 17. Jahrhundert. Immer wieder zerstörten Brände Gehöfte und Teile von Ortschaften, da die meisten Häuser vor dem 19. Jahrhundert aus Holz gebaut waren. Von 1740 bis 1748 verwüsteten im Österreichischen Erbfolgekrieg Pandurenbanden der Kaiserin Theresia unter dem Obristen Franz von der Trenck die Länder. 1757 plünderten die Preußen Teile des Landes.

Die allgemeinen Lebensverhältnisse waren noch weit von der heutigen Lage entfernt: Um 1700 lag die durchschnittliche Lebenserwartung auf Grund von Krankheiten, Seuchen und vor allem der hohen Kindersterblichkeit bei knapp 30 Jahre, 1875 erst bei 37,5 Jahren. Zwischen 1816 und 1871 wurden nur 7% der Menschen über 61 Jahre alt. Im 17./18. Jahrhundert wurde gewöhnlich erst mit 25-30 Lebensjahren geheiratet. Im 19. Jahrhundert wurden 15% der Kinder unehelich geboren, in manchen Gebieten traf dies sogar auf 20% der Kinder zu. Auf Grund schlechter Ernährung, allgemeiner Entkräftung der Frauen durch die vielen Geburten, die harte Hausarbeit und die hohe Sterblichkeit der Frauen am Kindbettfieber waren viele Kinder schon im frühen Lebensalter Waisen oder sie wuchsen mit Stiefmüttern auf. Das Leben war im wesentlichen auf die Sicherung der Ernährung ausgerichtet.

Im Mittelalter war das Gebiet der heutigen Oberpfalz, neben der Landwirtschaft, vor allem durch Eisenerzgruben (z.B. bei Höhenberg und Hermannshof, innerhalb des heutigen Truppenübungsplatzes Grafenwöhr) und Eisenverhüttung geprägt. Es gab viele Eisenhämmer (Wassermühlen), in denen das Eisen weiterverarbeitet wurde. Daneben waren Porzellanerdegruben und Steinzeugfabriken in Betrieb. Durch die Verheerungen des 30-jährigen Krieges sind viele Bergwerke verfallen und mit Wasser vollgelaufen. Sie wurden teilweise nach dem Kriege nicht wieder in Betrieb genommen. Die Eisenhämmer wurden zum Teil in Kornmühlen umgebaut. Die Gegend verarmte. Mit der Weberei versuchten die Leute sich ein Einkommen zu verschaffen. Ende des 18. Jahrhunderts setzte eine große Auswanderungswelle nach Nordamerika ein.

1857 fuhr in der Oberpfalz die erste Eisenbahn bei Pressath. 1867 wurde eine Eisenbahnverbindung Bayreuth-Weiden gebaut. Windischlaibach in Oberfranken wurde Bahnknotenpunkt der Strecke Nürnberg-Eger. Diese neue Infrastruktur hatte hohe Bedeutung, da es noch kein ausgebautes Fernstraßennetz gab. Mit Hilfe der Eisenbahn gab es eine Renaissance der Eisenerzgewinnung- und verhüttung. Für die Bevölkerung war die Eisenbahn das einzige Fernverkehrsmittel, das die Mobilität (auch die Auswanderung) erheblich förderte.